07/01/2026 0 Kommentare
Zusammen wachsen – wo Menschen einander begegnen
Zusammen wachsen – wo Menschen einander begegnen
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Zusammen wachsen – wo Menschen einander begegnen
Interview mit Pfarrerin Kerstin Ulrich und Pfarrer Dietrich Sonnenberger über den Weg zur Brückengemeinde. Warum aus „ihr“ und „wir“ jetzt „Brücke“ wird und weshalb sich der Weg in die Zukunft lohnt.
Bald startet die Brückengemeinde. Wie habt ihr die zurückliegenden Monate des „Schwangergehens“ erlebt?
K. Ulrich: Die Zeit war mit viel Vorfreude auf das, was da entstehen wird, verbunden. Aber eine Schwangerschaft ist nie nur schön. Es gibt auch immer wieder Kopfschmerzen und Bauchweh. So war es hier auch: Phasen, in denen ich dachte „Das läuft“, und dann wieder Momente der Unsicherheit. Aber es war gut, dass wir uns früh begegnet sind. Durch die gegenseitigen Einladungen und gemeinsame Treffen sind schon Beziehungen gewachsen.
D. Sonnenberger: Ich kann das mit der Vorfreude gut nachempfinden. Als meine Kinder geboren wurden, war ich voller Erwartung – und vielleicht auch ein bisschen naiv. Und so fühle ich mich jetzt auch: gespannt auf das Miteinander, das nun erst richtig beginnt. Je konkreter wir zusammengearbeitet haben, desto leichter wurde es. Am Anfang standen viele Befürchtungen. Jetzt ist da eher Vertrauen: Wir schaffen das zusammen.
KU: Für mich gibt es drei Ebenen. Bei den Presbyterien bin ich zuversichtlich, weil wir uns inzwischen kennen und gut miteinander arbeiten. Bei den Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden in den Gemeinden sind wir auf einem guten Weg, aber brauchen noch mehr Begegnung. Drittens die Gemeindemitglieder: Viele fragen: „Wieso ändern wir eigentlich etwas? Es ist doch gut.“ Da müssen wir noch viel erklären, zuhören und Menschen mitnehmen, weil bei ihnen vielleicht noch am wenigsten Konkretes angekommen ist.
DS: Veränderungen greifen nun mal direkt ins Leben der Menschen ein. Da hängen Herz und Gewohnheit dran. Was mir Mut macht: Sobald man einander begegnet, wird aus „die da drüben“ schnell „wir“. Ich erinnere mich an meinen ersten Gottesdienst in der Saarner Dorfkirche. Ich war unsicher, weil ich den Raum und die Menschen nicht gut kannte. Aber als ich dort stand, habe ich gemerkt: Die Menschen sind mir zugewandt. Das hat mir Sicherheit gegeben und vieles leichter gemacht. Es fühlte sich nach Zuhause an.
Was lasst ihr los und was nehmt ihr mit in die Brückengemeinde?
DS: Wir lassen ein Stück „Schmoren im eigenen Saft“ los. Ich möchte Vielfalt entdecken, nicht alles vereinheitlichen. Ein großer, bunter Strauß ist schöner als eine Monokultur: mehr Stimmen, mehr Farben, mehr Lebendigkeit. Die Dorfkirche mit ihrer Nähe, die Pauluskirche mit neuen Formen, klassische Liturgie, modernes Liedgut – das alles gehört in den Strauß.
KU: Gemeinde ist für viele Menschen ein Stück Heimat – und das soll sie auch bleiben. Aber wir brauchen mehr Weite im Denken, nicht dieses „wir hier“ und „ihr da“. Mit der Brückengemeinde wird unsere Heimat größer und vielfältiger. Wir ticken künftig eben nicht mehr „Broich-Saarn“ und „VEK“, sondern „Brücke“.
Was ist euch in diesem Prozess geistlich wichtig?
KU: Die Fusion ist ja nicht nur eine Frage von „müssen“, sondern auch von „wollen“. Es ist die Lust, neue Schritte zu gehen. Die Welt ändert sich, Kirche verändert sich – aber Gott bleibt. Es ist unsere Aufgabe, seine Geschichte mit den Menschen weiterzuschreiben: sie begleiten, ihnen eine geistliche Heimat geben und nicht stehenzubleiben.
DS: Uns beiden ist es wichtig, dass nicht nur die Hauptamtlichen „die Show“ machen, sondern, dass die ganze Gemeinde beteiligt ist. Geistlich heißt für mich: In allem, was wir tun, soll spürbar sein, dass wir von Gott getragen sind. Im Gottesdienst, im Presbyterium, beim Gemeindecafé, in Jugendgruppen und im gemeinsamen Unterwegssein: Leben als Gebet, nicht nur liturgisch, sondern im Alltag.
Wenn ihr in zehn Jahren zurückblickt – wann würdet ihr sagen: Es hat sich gelohnt?
DS: Ich wünsche mir, dass die Gemeinde dann noch bunter und vielfältiger ist – und trotzdem zusammenhält wie ein schöner Blumenstrauß. Und dass Menschen dann sagen: „Gut, dass wir damals nicht klein gedacht haben.“
KU: Ich wünsche mir, dass die Brückengemeinde dazu beiträgt, Kirche in der Stadt zu erneuern. Nicht als Platzhirsch, sondern als Einladung: Da ist geistliche Heimat, die Menschen ernst nimmt, segnet, begleitet und für andere da ist. Und dass wir sagen: Ja, es war eine gute Entscheidung – und trotz mancher Mühen: Der Weg lohnt sich.
Das Interview führte Carsten Tappe.
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