07/01/2026 0 Kommentare
Eine Brücke, die trägt
Eine Brücke, die trägt
# Neuigkeiten

Eine Brücke, die trägt
Wenn Gemeinden zusammenwachsen, entsteht Kirche mit Zukunft. Superintendent Michael Manz gibt der Brückengemeinde seine guten Wünsche für den gemeinsamen Weg mit.
Herr Manz, die Fusion der VEK und der Gemeinde Broich-Saarn wurde oft mit einer Schwangerschaft verglichen. Nun steht die Geburt bevor. Was wünschen Sie dem „Neugeborenen“ mit auf den Weg?
Ich wünsche der neuen Gemeinde gute Eltern und Paten – Menschen, die sich liebevoll und verantwortungsvoll um sie kümmern. In den vergangenen Monaten ist viel geplant und vorbereitet worden, nicht immer ohne Mühen. Jetzt gilt es, diese Sorgfalt beizubehalten. Wichtig ist, dass man die Menschen weiterhin mitnimmt und niemand zurückbleibt. Eine Fusion ist zwar keine komplizierte Geburt, aber sie verlangt Geduld und Fürsorge.
Viele Menschen fragen sich: Wie wächst eine so große Gemeinde wirklich zusammen? Was bedeutet das Bild der Brücke für Sie dabei?
Kirche lebt davon, Brücken zu bauen. In Gemeinden gibt es oft Gräben, obwohl gar kein Fluss dazwischen liegt. Menschen fühlen sich zunächst ihrer vertrauten Gemeinde zugehörig. Da braucht es viele Brückenbauerinnen und Brückenbauer, die Vertrauen schaffen. Für mich ist das wie beim Bau einer Kathedrale: Das dauert Generationen und gelingt nur gemeinsam.
Die neue Brückenkirchengemeinde sollte dabei nicht nur nach innen schauen. Mir ist wichtig, dass sie den Überblick behält und Verbindungen in den ganzen Kirchenkreis hinein pflegt. Eine Brücke ist erhöht – sie ermöglicht einen weiteren Blick. Genau das wünsche ich mir: dass diese Gemeinde sich als Teil eines größeren Ganzen versteht und neue Verbindungen schafft.
Mit 16.000 Mitgliedern entsteht eine der größten Gemeinden im Kirchenkreis. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie?
Die Größe ist eine große Chance – aber sie verlangt auch, sehr aufmerksam mit den unterschiedlichen Lebenswelten umzugehen. Die Gemeinde reicht vom Flughafen über die Innenstadt bis nach Selbeck. Da gibt es soziale Unterschiede, verschiedene Traditionen, verschiedene Bedürfnisse. Das alles im Blick zu behalten, ist eine Aufgabe. Aber Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern eine Stärke, wenn man sie bewusst gestaltet.
Natürlich wird sich auch manches verändern. Wege werden länger, Kirchengebäude schließen. Viele haben sich daran gewöhnt, dass alles direkt um die Ecke erreichbar ist. Aber wir dürfen uns nicht von einer „Versorgungsmentalität“ leiten lassen. Christsein bedeutet nicht, dass Gemeinde immer sofort verfügbar ist. Ich denke da an die armenische Gemeinde, die bei uns Gottesdienst feiert und deren Mitglieder bis zu 100 Kilometer fahren, um zusammenzukommen. Gemeinschaft erfordert es mitunter, eine gewisse „Komfortzone“ zu verlassen.
Ist diese Fusion für Sie auch eine geistliche Aufgabe?
Absolut. Niemand geht so einen Schritt nur aus wirtschaftlichen Überlegungen. Es geht darum, Gemeindeleben lebendig zu halten – so, dass es geistlich fruchtbar bleibt. Wir wollen nicht in vielen kleinen Gebäuden winzige Gottesdienste feiern, sondern als sichtbare Gemeinschaft zusammenkommen. Gemeinde ist da, wo Menschen miteinander Gott feiern und füreinander da sind. Das ist eine geistliche Aufgabe, getragen vom Vertrauen, dass Gottes Geist diesen Weg begleitet. Unsere Botschaft ist eine, die froh macht und befreit. Für sie lohnt es sich, Arbeit und Herzblut zu investieren.
Wenn Sie in zehn Jahren auf diesen Schritt zurückblicken – wann würden Sie sagen: Es hat sich gelohnt?
Manz: Ich sage schon heute: Es ist die richtige Entscheidung. Kleine, isolierte Gemeinden haben es immer schwerer. Kooperation und Fusion sind der Weg, wie Kirche in Zukunft lebendig bleibt. In zehn Jahren wünsche ich mir, dass die Brückengemeinde nicht nur zwei Punkte verbindet, sondern offen bleibt für neue Wege, neue Kontakte, neue Brücken. Eine Brücke, die gepflegt wird, trägt. Und wenn die Menschen dann sagen: „Gut, dass wir damals diesen Schritt gegangen sind“ – dann hat es sich mehr als gelohnt.
Das Interview führte Carsten Tappe
Kommentare