07/01/2026 0 Kommentare
In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen – und jede darf anders sein
In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen – und jede darf anders sein
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In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen – und jede darf anders sein
Silke Werner lebt in Broich-Saarn und ist Prädikantin der VEK. Sie kennt dadurch beide Seiten der künftigen Brückengemeinde – und sieht in der Fusion vor allem eine große Chance.
Silke, was dachtest du, als du von der Fusion gehört hast?
Ehrlich gesagt: erst „Ach?“ und gleich danach „Ja!“ Für mich ist das eine ganz natürliche Entwicklung. Ich bin schon lange zwischen Broich-Saarn und der VEK unterwegs. Natürlich schmerzt es, dass die Pauluskirche schließen soll – sie war für mich immer ein besonderer Ort mit viel Licht, Offenheit und Nähe zwischen Menschen. Aber das, was Kirche ausmacht, sind ja nicht die Mauern, sondern die Menschen und die Inhalte, die weiterleben.
Wie wünschst du dir, dass das in der neuen Brücken-gemeinde aussieht?
Ich wünsche mir, dass wir diese Offenheit bewahren: Dass Weihrauch- und Kaffeeduft nebeneinander Platz haben dürfen, Orgel und Trommel, Choral und Popsong. Jede Kirche hat ihren eigenen Charakter, und genau das kann unsere Stärke sein. Ich persönlich mag auch „Kirchen- hopping“ und gehe gerne mal in eine andere Gemeinde.
In meiner Predigt zum Thema „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ habe ich dieses Bild weitergedacht: Auch unsere Gemeinde ist so ein Haus mit vielen Wohnungen. Da leben ganz verschiedene Menschen – die Frage ist, wie wir miteinander umgehen. Borgen wir uns gegenseitig ein Ei, wenn es fehlt? Feiern wir zusammen oder ziehen wir uns zurück? Ich wünsche mir eine neugierige, tolerante Gemeinde, die voneinander lernen will.
Wo siehst du mögliche Stolperfallen?
Menschen, die sagen: „Das war aber immer so.“ können eine große Stolperfalle sein. Wenn es bei „den anderen“ statt Bienenstich plötzlich Apfelkuchen gibt, sollte man wenigstens mal probieren, bevor man urteilt. Und danach kann man immer noch entscheiden, ob es einem schmeckt oder nicht. Veränderung braucht immer Mut. Und der besteht aus drei Zutaten: Neugier, Offenheit und Toleranz. Die muss man immer mitbringen, sonst geht es nicht.
Was kann helfen, das Miteinander zu stärken?
Wir brauchen viele Begegnungen: gemeinsame Nachmittage, Gespräche, Austausch – Gelegenheiten, sich kennenzulernen. Das kostet Kraft, aber es lohnt sich. Wenn ich für meinen Sportverein quer durch die Stadt fahre, kann ich das auch für eine lebendige Gemeinde tun. Und wenn die Angebote stimmen, kommen die Menschen auch. Wichtig ist, dass wir ein gemeinsames Wertefundament haben – und uns nicht nur von Zahlen und Finanzen leiten lassen, sondern von dem, was uns als Christinnen und Christen trägt.
Wie sieht die Brückengemeinde in zehn Jahren aus?
Ich hoffe, dass wir dann eine Kirche sind, die Brücken baut – nicht nur zwischen Stadtteilen, sondern auch zwischen Generationen, Milieus und Lebenswelten. Eine Kirche, die offen ist für neue Formen, für Wohnzimmerkirche, für moderne Sprache, für ökumenische Zusammenarbeit. Eine Kirche, die sich einmischt, Haltung zeigt und ein wirklicher „Safe Space“ für alle ist. Wenn wir das schaffen, hat die Fusion der Stadt Mülheim gutgetan: Dann sind wir als Kirche sichtbar engagiert für Klima, Solidarität, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Welchen Wunsch würdest du Gott für die neue Gemeinde ins Ohr flüstern?
„Pass auf uns auf.“ – Und schick uns deine Kraft. Ich denke da an das Zitat von Dorothee Sölle „Gott hat keine anderen Hände als die unseren.“ Ich wünsche uns Geistkraft, damit unsere Hände wissen, was sie tun sollen.
Das Interview führte Stefanie Frohwein
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